Baugeschichte der Johanneskirche

Die Turmkapelle

Wer mag es sein: Wotan/Odin und der Rabe, oder Johannes der Täufer mit Taube?

Die Turmkapelle ist der kunsthistorisch bedeutsamste Teil der Kirche. Beim Betreten sieht man auf der linken Seite eine Altarnische. Rechts und links der Altarnische erkennt man seltsame Bildwerke aus romanischer Zeit:

 

Auf der rechten Säule ist ein Männerkopf mit gespaltenem Vollbart und halbgeöffnetem Mund dargestellt, der den Betrachter mit starren Augen anblickt. Auf der Innenseite ist ein vorwärtsschreitender Vogel angebracht.
Kunsthistoriker deuten das Relief als Kopf des germanischen Gottes Wotan/Odin, und den Vogel als dessen Wappentier, den Raben. Das soll darauf hinweisen, dass die Erbauer der alten Kirche Symbole aus der heidnischen Zeit verwendet haben, um zu bezeugen: "auch die Götter müssen Christus dienen". Sie tragen nämlich den Bogen der Altarnische.

Chaos und Kosmos

Auf der linken Säule sind außen und innen Flechtornamente zu sehen, die vielleicht als Chaos und Kosmos (siehe Bild links) gedeutet werden können. Sie zeigen den Zustand der Welt vor und nach der Schöpfung.

 

In der Altarplatte war eine Reliquie (Überrest eines Heiligen) untergebracht, worauf eine Öffnung hinweist, die man verschließen konnte. Heute steht ein kleines gusseisernes Kreuz darüber.


Der Raum ist überwölbt von einem einfachen Gratgewölbe und erhielt sein Licht ursprünglich durch ein kreisrundes, nach Osten gerichtetes Fenster in der Altarnische.

 

In der rechten Ecke sieht man in einer Vertiefung das freigelegte Fundament des Turmes. Es lässt in den hochkantig gestellten Steinlagen die Grundsätze lombardischer (oberitalienischer) Mauertechnik erkennen. Diese Fischgrätenmauertechnik war in Oberitalien noch bis zum 13. Jahrhundert gebräuchlich. Sie wird von den Fachleuten als "opus spicatum" bezeichnet.

 

Von der alten romanischen Kirche steht außer dem massigen Turm ( Untergeschoss ) noch die West-Fassade mit drei lombardisch anmutenden Rundbögen (Blendnischen) und zwei schlanken Wandpfeilern. Diese sind am Ende mit nach oben geöffneten Drachenköpfen versehen. (Gleichartige finden sich an der inneren Querschiffswand von San Michele in Pavia).